Reisesuche

 

Skippertraining für Frauen - Reisebericht

Skipperinnentraining in Kroatien- eine Woche mit 7 Frauen an Bord

Mit etwas mulmigem Gefühl besteige ich in Zadar ( Kroatien) die Fähre auf die Insel Uglijan. Ich habe eine Koje an Bord einer Salona 45 zum Skipperinnentraining gebucht- laut Crewliste zu sechst plus Skipperin. Das Boot liegt in Kuclijza- ein malerisches Örtchen.

Ich war noch nie mit einer mir gänzlich fremden Frau auf Tuchfühlung gemeinsam in einer schmalen Koje. Ich bin sehr verwöhnt, was das Essen und meine eigene Schiffsküche betrifft.

Gespannt erwarte ich die Ankunft der anderen Frauen. Zu meinem Erstaunen kennt sich niemand.

Nach einer Woche liegen wir uns zum Abschied als Freundinnen in den Armen. „Zickenkrieg- Fehlanzeige!" Was ist denn geschehen?


Unsere Skipperin Ariane hat nach der Schiffsübernahme und dem Check aller Rettungsmittel an Bord die Kojen-Paare nach Gefühl und Größe der Mädels vergeben. Wir sind alles gut gelaunte, nicht mehr ganz so junge Mädels und verstehen uns auf Anhieb sofort.

Gemeinsam besprechen wir die Einkaufsliste und die Geschmacksrichtungen der Crew, gehen einkaufen und schleppen die ganzen Vorräte und unzählige Wasserflaschen ins Boot Die Auswahl der Lebensmittel war überraschend einfach- wir wollen alle gesund und überwiegend vegetarisch essen. Nachdem alles seinen Platz gefunden hat, beschließen wir den ersten Abend mit einem leckeren Essen beim Italiener.


Tags darauf geht es richtig los:“ Lifebelt“ einstellen, die Klemmen der Fallen beschriften, damit es in stressigen Situationen keine Fehler gibt, Motor, Bilgen, Segel und Leinen checken.

Täglich werden Aufgaben verteilt- vom Wetterfrosch, Navigator, Skipper-of-the-day, Techniker, Vorschoter und Smutje- jede hat eine Aufgabe. Das macht total Spaß und wir werden jeden Tag besser.

Den ersten und etwas windstillen Tag üben wir Segel hissen, Reffs ein- und ausbinden, peilen, Manöver unter Motor. Am zweiten Tag geht`s richtig los- unter gerefften Segeln verlassen wir bei kräftigem Wind den schützenden Hafen und die Insel Uglijan.


Die nächsten Tage gilt es von früh bis spät zu Üben, bis Kopf und Geist und die Ruderstellung in Harmonie stehen. Egal ob Wenden, Halsen, Q- Wende, Bojenmanöver, Manöverkreis oder Quickstop- jede fährt so lange, bis jedes Kommando und jeder Handgriff sitzt. Zum Glück können wir uns an den Winschen abwechseln- die viele Kurbelei geht ganz schön an die Substanz. Wir besegeln ein wundervolles Revier und erkunden die Insel Zut, tuckern vorsichtig und leise durch die Meerenge in das Naturschutzgebiet von Telascica und navigieren nach Levrnaka. Die Tour führt vorbei an einer herrlichen geschützten Inselwelt der Kornaten, das Wetter ist etwas rauh und regnerisch – dennoch verbringen wir die ganze Zeit warm eingepackt draußen an Bord. Von den Bergrücken der Inseln hat man einen herrlichen Blick über die grandiose Inselwelt


Die Abende verbringen wir in lachender Runde, Kochen erledigen wir abwechselnd oder lassen uns am Anleger in Levrnaka einen großen, zahnbewehrten Fisch grillen. Morgens schnipseln wir teilweise im Schlafanzug unser Obst für Müsli, kochen Kaffee und Tee .Abends auf dem Weg vom Waschhaus aufs Boot höre ich schon von weitem das Gelächter aus dem Boot. Im Hafen von Biograd ist der Steg dunkel- aber das Lachen zeigt mir den Weg aufs richtige Schiff.

Und unser aller Herzenswunsch geht in Erfüllung- als wir aufs „offene Meer“- der Adria- fahren, tauchen in den schon erstaunlich hohen Wellen der Adria Delphine auf, die abwechselnd Backbord oder Steuerbord auftauchen und mit Leichtigkeit unsere 7-8 Knoten Fahrt mithalten. Wir bewundern und genießen den Anblick der schnellen und eleganten Meeressäuger, bis sie nach 20 Minuten verschwunden sind.


Mein persönliches Fazit: Nach dieser Woche traue ich mir viel mehr zu als vorher. Wir haben so viel an- und Ablegen geübt, dass ich keine Angst mehr davor habe und mein Mann mir getrost das Ruder übergeben kann. Auch weiß ich jetzt, das mit der genauen Vorbereitung alles in Ruhe gemacht werden kann- an Bord ist kein Geschrei und keine Hektik nötig.

Und wir sieben Frauen hatten so viel Spaß zusammen, dass wir uns im nächsten Jahr wieder zum weiteren Skipperinnen-Training treffen wollen.

(Astrid S.)

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